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Seit über 200 Jahren: Ausgleich für die Enteignungen durch Napoleon

Der Staat bezahlt Bischöfe und Pfarrer

Wenn sonntags der Klingelbeutel durch die Kirchenbänke zieht, wird nicht das Gehalt des Pfarrers eingesammelt. Die Euros und Cents sind für karitative Aufgaben der Gemeinde oder der Weltkirche bestimmt. Und was ist mit dem Pfarrer? Woher bezieht er sein Geld für den Lebensunterhalt? Aus der Kirchensteuer? Mitnichten. Bischöfe, Priester und Vikare werden vom Staat bezahlt. Kein anderer Berufsstand ist in Deutschland finanziell so privilegiert abgesichert wie der Stand der Geistlichen.

Der deutsche Staat lässt sich seine Kirchendiener jährlich fast eine halbe Milliarde Euro kosten. Und wenn gespart werden muss, dann nicht oder höchstens zuletzt an den Gehältern der Pfarrer und Bischöfe.

Die Kirchen können allerdings darauf verweisen, dass sie ihre Alimentierung durch profane Steuergelder lediglich erdulden und nicht selbst herbeigeführt haben. 1803, auf dem Höhepunkt der rigiden Besatzungspolitik der Franzosen, wurde für die Enteignungen kirchlicher Immobilien und Werte folgender Ausgleich geschaffen: Die Gehälter der Würdenträger, die Pfarreien und Bistümer verwalteten, wurden fortan vom Staat bezahlt. Damit stotterte die Regierung sozusagen ab, was sie sich für lau einverleibt hatte.

Mit Napoleons Raubzug wird noch heute argumentiert, wenn der Uraltzopf verteidigt werden muss. Aber das muss er selten, denn wer weiß schon, dass der Staat die Gehälter bezahlt? Im übrigen sind die Zahlungen nach wie vor juristisch einwandfrei, denn die alten vertraglichen Vereinbarungen zwischen Staat und Kirchen gelten fort.

Offenbar hat noch niemand nachgerechnet, ob Schuld und Verpflichtung, die sich der Staat nach der Ausplünderung der Kirchen vor weit über 200 Jahren aufgeladen hat, mit Zins und Zinseszins längst abgegolten sind. Niemand hat, seitdem Napoleon im Grab liegt, an der Staatsknete gerührt - im Kaiserreich nicht, in der Weimarer Republik und sogar im Nazi-Reich nicht. Und in der Bundesrepublik, deren Grundgesetz auf christlichen Werten fußt, erst recht nicht.

Genau dieses Grundgesetz aber wird eines Tages zum Knackpunkt werden. Denn dort ist, ohne allerdings den Zeitpunkt näher zu benennen, festgehalten, dass es sich um Zahlungen handele, die einmal enden müssten. Wer also ein Ende des Staatsunterhalts für die kirchlichen Funktionsträger in leitenden Positionen fordert, hat ein starkes Argument auf seiner Seite.

Die Zeit ist überreif für eine radikale Veränderung. Sie täte der Glaubwürdigkeit derer gut, die uns im Gottesdienst zur Mildherzigkeit gegenüber Benachteiligten aufrufen. Sie müssten dann allerdings den überaus großen Vorzug, wie vergleichbare Beamte vom Staat besoldet und von Gehaltskürzungen eher verschont zu werden, aufgeben.

Eine so fürstliche Absicherung hat Jesus mit Sicherheit nicht in Aussicht gestellt, als er Jünger um sich scharte und sie zur Nachfolge berief.

Samstag, 4. August 2012

© Martin Willing 2012, 2013