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Zum 200. Geburtstag von Adolf Kolping

Kolpings Größe und Sendung

Adolf KolpingNicht nur für die engagierte Kolpingfamilie in Kevelaer, sondern für alle Gruppen in Deutschland ist das Kolping-Jubiläumsjahr 2013 von Bedeutung. Der 200. Geburtstag von Adolf Kolping (Bild), am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei Köln zur Welt gekommen, ist für das Kolpingwerk Anlass, das ganze Jahr über Veranstaltungen und Aktionen zu organisieren.

Einer der besten Kenner Adolf Kolpings war der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner.

"Wer Menschen gewinnen will, muß das Herz zum Pfande einsetzen", zitiert Höffner in seinem Beitrag für die Deutsche Bibliographie ("Die großen Deutschen", 3. Band, Berlin 1956) den Gesellenvater. "Kolping war weder ein klassenkämpferischer Revolutionär, wie der fünf Jahre jüngere Karl Marx, noch ein Sozialreformer und Sozialpolitiker, wie sein Zeitgenosse Karl von Vogelsang, der Begründer der christlich-sozialen Bewegung in Österreich, noch ein Vorkämpfer für die Freiheit der Kirche und die Rechte der Arbeiterschaft, wie sein Studienfreund, der Mainzer Bischof Wilhelm Emanuel von Kettler", schreibt Höffner.

Kolping, der "das Volk und seine gute Seele" geliebt habe, sei priesterlicher Volksbildner, "Diakon des Volkes" gewesen, wesensverwandt drei anderen volksnahen Priestergestalten des 19. Jahrhunderts: dem "Kalendermann" Alban Stolz, dem knorrigen Volksschriftsteller und Freiburger Stadtpfarrer Heinrich Hansjakob, sowie dem liebenswürdigen Turiner Jugendapostel Giovanni Don Bosco.

Es sei fast überraschend, wie sich der sorgenfrei aufgewachsene Adolf Kolping vom Schustergesellen mit zäher Energie den Weg zum Studium gebahnt habe. Im Handwerkermilieu habe es Kolping nicht länger ausgehalten. "Noch bebt mein Inneres", zitiert Höffner den Abiturienten Kolping, "wenn ich an die schrecklichen Tage denke, die ich mitten unter der Liederlichkeit und Versunkenheit von Deutschlands Handswerksgesellen zugebracht habe. Unter dieser Volkshefe konnte ich nicht sitzen bleiben."

Erst mit 24 Jahren schulte er in ein Kölner Gymnasium ein. Nach dreieinhalb Jahren legte er die Reifeprüfung ab. Nach seinen Studien in München und Bonn wurde Adolf Kolping am 13. April 1845 in Köln zum Priester geweiht. 1847 berief man ihn zum Präses des Junggesellenvereins, den ein Jahr zuvor der Elberfelder Lehrer Breuer gegründet hatte. "Und nun begann jene stürmische Entwicklung, die in wenigen Jahren die Idee des Gesellenvereins in alle deutschen Gaue und über die Grenzen Deutschlands trug", schreibt Höffner.

Im Frühjahr 1849 zog Kolping nach Köln um und leitete von dort aus das aufstrebende Gesellenwerk. "Kolping dürfte wohl der erste deutsche katholische Priester gewesen sein, der hauptamtlich im sozialen Bereich wirkte." Höffner: "Damit war der Seelsorge, die gerade um die Mitte des (19.) Jahrhunderts in Gefahr stand, sich auf individuelle Tröstungsversuche zu beschränken, der Weg in das moderne soziale Leben geöffnet."

Höffner: "Kolping hat schon um die Mitte des (19.) Jahrhunderts erkannt, daß durch steigende Löhne allein die Integration der Arbeitnehmerschaft nicht erreicht werden kann, daß vielmehr auf die Epochen der dumpfen Verproletarisierung und der klassenkämpferischen Solidarität eine dritte Entwicklungsstufe im Schicksal und Lebensgefühl der Arbeitnehmerschaft folgen müsse: ihre Integration in Familie, Beruf, Religion, Kultur, Volk, Gesellschaft und Staat. Hier liegt Kolpings Größe und Sendung."

Die Wiedergesundung der abhängig Beschäftigten "fängt bei der Familie an, bei der Ehe, bei der Hochzeit. Also nicht in Volksversammlungen und auf dem öffentlichen Markt der Welt, sondern am häuslichen Herde, nicht in den Hörsälen der Weltweisen, nicht in den Werkstätten des Künstlers, nicht in der Arbeitsstube des geistreichen Erfinders, nicht im militärischen Lager, nicht in der Wortschlacht der öffentlichen Debatte, aber am allerwenigsten in der Hetz- und Treibjagd der Presse, sondern im Familienkreise" (Kolping).

Auch seine Bildungsarbeit war praktisch angelegt. Kolping sei zum "Vorkämpfer des Heimgedankens in der Volksbildung" geworden. Und überall, wo sich ein neuer Gesellenverein gründete, folgte schon bald das eigene Heim - das "Kolpinghaus". Geldmangel kannte Kolping nicht. Er war ein Meister im Akquirieren von Spenden - im Betteln. Obendrein war er ein begnadeter Redner und Volksschriftsteller.

"Kolping hat den Menschen, besonders seinen Gesellen, in uneigennütziger Liebe gedient", schreibt Kardinal Höffner. "Ruhm und Ehre hat er nicht gesucht."

Der Kölner Erzbischof, 1987 verstorben, hat Adolf Kolpings Erhebung zu den Altären nicht mehr erlebt. Der Gesellenvater († 1865) wurde am 27. Oktober 1991 von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen.

Montag, 21. Januar 2013

© Martin Willing 2012, 2013