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Wirtschaftsförderungsgesellschaft und wie sie überfrachtet wurde

Aus der WfG kann keine Wunder-Firma werden

Paal, Bercker, Kuypers (v.l.)Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) soll nach dem Abschied von Geschäftsführerin Ruth Keuken auf den Prüfstand gestellt werden. Die WfG wird womöglich zurückgebaut, denn sie hatte unter Stadtdirektor Heinz Paal zwei Zusatzaufgaben bekommen, die mit Wirtschaftsförderung vordergründig nichts zu tun haben.

Anfang der 1990er-Jahre (v.l.): Stadtdirektor Heinz Paal, VV-Vorsitzender Dr. Edmund Bercker und WfG-Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers.

Aus einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft war eine Mischgesellschaft geworden. 1991 hatte Paal ohne vorherige Absprache mit dem Verkehrsverein (VV) die städtische Aufgabe "Wallfahrt" auf einmal der WfG zugeordnet. "Wirtschaftsförderung und Wallfahrt sind zwei verschiedene Stiefel", kritisierte VV-Vorsitzender Dr. Bercker damals und akzeptierte die gravierende Veränderung erst, nachdem Paal schriftlich zugesichert hatte, dass der künftige VV-Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers in Wallfahrtsfragen nicht dem Stadtdirektor, sondern dem VV-Vorstand und der Wallfahrtsleitung verantwortlich sein würde.

Fünf Jahre danach - 1996 - veränderte Paal mit Unterstützung seines politisch besetzten WfG-Aufsichtsrats die WfG noch einmal, diesmal aber fast bis zur Unkenntlichkeit des Originals: Nach Fremdenverkehr und Wallfahrt wurde die Kulturabteilung mit Frau, Mann und Maus und sämtlichen Aufgaben aus dem klassischen Verwaltungsapparat herausgebrochen und der semiprivaten WfG mbH zugeschlagen. Davon versprach sich Paal hauptsächlich wirkungsvollere Vermarktung des Kulturangebots und damit mehr Einnahmen, um die hohen Kosten dieses Bereiches besser abdecken zu können.

Damit hatte der Stadtdirektor die stadteigene Firma WfG zu einem "Superladen" ausgebaut - freilich mit einem folgenschweren Konstruktionsfehler: Nur Rechtsform und Geschäftsführung der mit Aufgaben überfrachteten WfG waren und sind privatwirtschaftlich; ansonsten hing und hängt die Firma am Tropf der Stadt, beaufsichtigt von Politik und Verwaltung - unfähig, Vermögen aufzubauen und mit ihm eigenverantwortlich zu wirtschaften.

Die GmbH als 100-prozentige Stadttochter war nicht mehr als ein legaler Trick, um von außen einen Fachmann holen und nach Gepflogenheiten der freien Wirtschaft bezahlen zu können. Mit echter Privatisierung hatte das nichts zu tun.

So dürfen wir uns auch von einer zur "reinrassigen" Wirtschaftsförderungsgesellschaft umgebauten WfG keine Wunder versprechen. An der Schwerfälligkeit des Apparats, den unzureichenden Kompetenzen und der chronischen Unterkapitalisierung wird sich kaum etwas ändern.

© Martin Willing 2012, 2013